Also, eigentlich sind wir ja schon lange in Ungarn. Der Plan nach unserer letzten Station (www.markus-barth.de/blog/europatour-teil-7.html) war: Fähre von Ancona nach Zadar, dann schnurstracks Richtung Norden und Köpper in die Gulaschkanone. Tja. Aber wie sagt der Ungar? „Pläne hatt’ ich schäne.“ Die Realität sah anders aus: Fähre nach Zadar gab’s nicht, stattdessen ging’s nach Split und diese Stadt so gänzlich unbesucht links liegen zu lassen, ist ein bisschen, wie eine Essenseinladung von Paul Bocuse mit den Worten „Danke, aber ich hab noch Aufschnitt im Kühlschrank“ abzulehnen.

Split ist sicher eine meiner Lieblingsstädte in Europa: man liegt den ganzen Tag auf der Strandmatte, bummelt abends durch den Diokletianpalast (falls Ihr euch weniger blamieren wollt als ich: nicht den halben Tag durch die Innenstadt laufen und dann jemanden fragen, wo denn der verdammte Palast ist. Die Stadt IST der Palast!), kann sich vor der Statue von Grgur Ninski gruseln (sieht ein bisschen aus wie Gandalf mit schlimmer Gicht) und sitzt dann bei Livemusik in dem Innenhof, unter dem Daenerys Targaryen bei GoT ihre Drachen zwischenparkt. Lustigerweise scheinen viele Spliter die Begeisterung der Touristen für ihre Stadt gar nicht recht zu verstehen. Eine Verkäuferin schwärmte mir stattdessen eine Viertelstunde von ihrer Lieblingsstadt in Deutschland vor: Koblenz. Nichts gegen Koblenz, aber wenn ich mich entscheiden müsste zwischen Deutschem Eck und Kroatischer Adria, dann hätte ich quasi schon die Strandmatte unterm Arm.

Wir blieben ein paar Tage länger, denn am Wochenende war „Split Pride“, die alljährliche Demonstration der LGBTQ-Community. Und das ist hier, im tiefkatholischen Kroatien, schon noch mal ne andere Nummer. Eine Öffnung der Ehe, wie sie bei vielen deutschen CSDs gefordert wird, ist in Kroatien zum Beispiel völlig undenkbar. Vor vier Jahren wurde per Referendum (mit kräftiger Unterstützung der katholischen Kirche – auch an dieser Stelle nochmal: Danke für nichts!) in die Verfassung aufgenommen, dass es die Ehe nur zwischen Mann und Frau geben darf (immerhin gibt es mittlerweile eine Art eingetragene Partnerschaft). Die Schwulen und Lesben, die hier leben (und somit nicht den Touristenbonus genießen), haben viel grundlegendere Wünsche, wie mir Hana, eine der Organisatorinnen, erklärte. Zum Beispiel, dass sie niemand mit Tränengas beschießt. Das geschah nämlich 2011, beim ersten Split Pride und das ist der Grund, warum die Parade immer noch mit fast genauso vielen Polizisten wie Teilnehmern stattfindet.
Dieses Jahr verlief der Umzug aber völlig friedlich, denn auch in Kroatien hat sich in den letzten Jahren einiges geändert. Klar gab es auch ein paar verschränkte Arme und geschüttelte Köpfe am Straßenrand, aber man muss sich ja auch nicht um jeden kümmern.
Vor allem die Touristen feierten ungehemmt mit. So zum Beispiel zwei heterosexuelle Holländer, die ich am Rand der Parade traf. Ich fragte sie, warum sie denn hier seien. Sie strahlten mich an: „Weil es Bier gibt!“
Na immerhin.